Poetiken von Macht, Gewalt, Körper und Raum
Frühe Neuzeit / Renaissance-Humanismus
Gegenwartsliteratur / Posthumanismus
Queer Studies, Human-Animal Studies
Transatlantische Zirkulation
Comics Studies
Meine Interessen liegen in der Literaturwissenschaft und in den Comics Studies. Derzeit forsche und lehre ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Romanistik der Universität Leipzig, wo ich mich verstärkt den spanischsprachigen Kulturen und Literaturen zuwende. Zuvor war ich von 2020 bis 2024 am Portugiesisch-Brasilianischen Institut der Universität zu Köln tätig, zuletzt als Vertretung der Professur für Lateinamerikanistik mit Schwerpunkt Brasilianistik.
Mein Studium der Romanistik (Italienisch/Portugiesisch), Auslandsgermanistik und anglistischen Sprachwissenschaft an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Università degli Studi di Napoli L'Orientale wurde durch ein DAAD-gefördertes Jahr als Sprachassistent an der Universidade Federal do Ceará in Fortaleza ergänzt. Meine akademische Tätigkeit begann 2014 an der RWTH Aachen University, promoviert wurde ich im Jahr 2020 an der Universität Wien. Die in diesem Zuge entstandene Promotionsschrift wendet sich der Kartenlegerin in der brasilianischen Literatur zu und erhielt 2022 den Dissertationspreis der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Lateinamerikaforschung (2. Platz) sowie eine Honourable Mention des Deutschen Lusitanistenverbandes.
In den vergangenen Jahren habe ich Forschungsförderungen u.a. der DFG, des DAAD und der FAPEG eingeworben. Als Post-Doc Fellow war ich 2024–2025 an der Martin Buber Society of Fellows der Hebrew University of Jerusalem tätig; im Winter 2025 folgte ein Junior Fellowship am Erich Auerbach Institute for Advanced Studies der Universität zu Köln. Ich bin Mitglied u.a. der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Lateinamerikaforschung, der Gesellschaft für Comicforschung und der Deutschen Gesellschaft für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft.
Meine Forschung bewegt sich an der Schnittstelle von vier Kategorien, die ich als eng miteinander verschränkt begreife: Macht, Gewalt, Körper und Raum. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie literarische und kulturelle Texte Machtverhältnisse nicht nur abbilden, sondern aktiv (re-)produzieren oder subvertieren – und wie Gewalt als strukturelles Prinzip wirkt, das Gattungen, Diskurse und Körper durchdringt. Der Körper ist für mich dabei kein bloßes Objekt von Macht und Gewalt, sondern ein Ort der Überschreitung: als alternder, migrierender, transgeschlechtlicher oder nicht-menschlicher Körper markiert er die Grenzen normativer Ordnungen und macht dort, wo er diese Grenzen überschreitet, alternative Formen des Lebens und der Wissenskonstruktion sichtbar. Der Raum schließlich – geographisch, kulturell, epistemisch – ist die Dimension, in der diese Prozesse zirkulieren, sich verlagern und transformieren: von der frühneuzeitlichen Expansion über den Atlantik bis zu den transatlantischen Austauschbewegungen der Gegenwart.
Macht
Ein zentrales Thema meiner Forschung ist die Frage, wie literarische und kulturelle Texte Machtverhältnisse nicht nur abbilden, sondern aktiv (re-)produzieren oder subvertieren. Dieses Interesse durchzieht meine Arbeit von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart. In meinem derzeitigen Forschungsprojekt Die Grenzen kolonialer Legitimationsrhetorik: Gattungsbrüche, Naturgewalt und Interspezies-Relationen im iberoamerikanischen Kolonialepos der Frühen Neuzeit untersuche ich, wie koloniale Herrschaftsansprüche rhetorisch abgesichert werden – und wo diese Strategien an ihre Grenzen stoßen. Bereits in meiner Dissertation Coisas futuras! Die metapoetologische Funktion der Kartenlegerin im Kontext des globalen Südens am Beispiel brasilianischer Literatur habe ich mich mit Machtfragen befasst: Die Kartenlegerin der brasilianischen Literatur von Machado de Assis bis Adriana Lisboa erscheint dort als subversive Figur, die etablierte Erzählautoritäten unterläuft und aus post- und dekolonialer Perspektive alternative Formen der Wissenskonstruktion sichtbar macht.
Gewalt
Eng mit Machtfragen verbunden ist mein Interesse an Gewalt als strukturellem Prinzip, das Texte, Gattungen und Diskurse durchdringt – und nicht allein als physischen Akt. Das iberoamerikanische Kolonialepos legitimiert Unterwerfung, macht sie ästhetisch verarbeitbar und überführt sie in heroische Narrative; das oben genannte Epik-Projekt zeigt, wo diese Prozesse ins Stocken geraten. In meiner kumulativen Habilitationsschrift (voraussichtlicher Abschluss im Mai 2027) tritt Gewalt als Erfahrung von Ausschluss und Normierung in Erscheinung, der die untersuchten transgeschlechtlichen Texte ästhetische Strategien der Subversion entgegensetzen. Mit politischer Gewalt und ihrer literarischen Verarbeitung habe ich mich zudem gemeinsam mit Prof. Dr. Jobst Welge befasst: Eine von uns ko-organisierte Sektion auf dem Lusitanistentag 2025 in München (Revisionen / Re-präsentationen politischer Gewalt in den Literaturen Portugals und Brasiliens: Erfahrung, Erinnerung, Reparatur) mündet derzeit in ein Zeitschriftendossier in Brasilien unter dem Titel Regimes e formas de violência. Ética, representação, interpretação (Zeitschrift o eixo e a roda der Universidade Federal de Minas Gerais).
Körper
Eine erste Dimension des literarischen Körpers, die mich seit längerem beschäftigt, ist die des Alterns und Sterbens: In dem gemeinsam mit Prof. Dr. Jasmin Wrobel herausgegebenen Sammelband O corpo-cronômetro: As temporalidades do corpo na literatura brasileira (Frank & Timme, 2023) haben wir das Verhältnis von Körperlichkeit und Zeitlichkeit in der brasilianischen Literatur beleuchtet und gefragt, wie Krankheit, Alter und Sterben literarisch verhandelt werden und wie Körper, die nicht mehr jung oder „gesund" sind, aus der öffentlichen Sphäre ausgeschlossen werden. Der Tod war auch Thema eines früheren Zeitschriftendossiers, das ich gemeinsam mit Prof. Dr. Sarah Burnautzki und Dr. Ute Hermanns publiziert habe und in dessen Rahmen wir uns toten Erzählern in der brasilianischen Literatur zuwendeten (Voices from Beyond: A Poetics of Dead Protagonism in Brazilian Literature).
Eng mit diesen Ausschluss- und Verleugnungsprozessen verbunden ist der Körper als Ort politischer Zuschreibung und Überschreitung. Meine kumulative Habilitationsschrift zur transgeschlechtlichen Literatur aus Brasilien, Argentinien und Chile untersucht, wie Interkulturalität und Migration Körper markieren und verschieben – und wie Poetiken der Monstrosität normative Ordnungen destabilisieren und neue Formen der Verkörperung denkbar machen. Die Frage, was einen Körper als normgerecht oder abweichend erscheinen lässt, führt dabei zwangsläufig zu den Grenzen des Menschlichen selbst: zu Metamorphosen, Übergängen und Verflechtungen zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Körpern. Hier treffen sich Posthumanismus, Human-Animal Studies und die Frage nach der Rolle von Technik in der literarischen Inszenierung von Tier-Mensch-Beziehungen. Diesem Feld widmet sich der Sammelband Störfaktor Technik? Apathisch-empathische Tier-Mensch-Beziehungen in der Romania, den ich gemeinsam mit Dr. Henriette Terpe bei Springer herausgebe (2027, derzeit in Vorbereitung).
Raum
Die vierte Kategorie, die meine Forschung strukturiert, ist der Raum – verstanden als geographischer, kultureller und epistemischer Bewegungsraum. Meine Tätigkeit als Post-Doc Fellow an der Martin Buber Society of Fellows der Hebrew University of Jerusalem (2024–2025) stand im Zeichen frühneuzeitlicher Raumerschließung: In dem Projekt The Contribution of Italian Intellectuals in Turning Portugal into a Seafaring Nation: Knowledge, Cooperation and Texts in the 15th and 16th Century habe ich untersucht, wie Wissen, Kooperation und Textualität die Expansion in neue Räume ermöglichten. Diese Frage nach den Bedingungen und Infrastrukturen kultureller Zirkulation leitet unmittelbar zu meinem von der DFG geförderten Forschungsnetzwerk Brazilian-Italian Cultural Contact: Transatlantic Interaction and Knowledge Circulation (2024–2027) über, das ich eingeworben habe und koordiniere. Das Netzwerk untersucht die Zirkulationsbewegungen zwischen Italien und Brasilien und fragt nach den Akteur*innen, Institutionen und Praktiken, die transatlantischen Kulturtransfer ermöglichen und prägen.
Erasmus+ Förderung für eine zweiwöchige Gastdozentur an der Pontificia Universidad Católica in Santiago, Chile (Oktober 2025)
11/2025-12/2025: Fellow am Erich Auerbach Institute for Advanced Studies der Universität zu Köln (Host: Dr. Henriette Terpe)
Post-Doc Fellowship der Martin Buber Society of Fellows an der Hebrew University of Jerusalem, Israel (2024-2025)
Förderung einer zweiwöchigen Gastdozentur an der Universidade Federal de Goiás in Goiânia, Brasilien durch die Fundação de Amparo à Pesquisa do Estado de Goiás, FAPEG (September 2024)
Erasmus+ Förderung für eine einwöchige Gastdozentur an der Universität La Sapienza in Rom, Italien (Mai 2024)
Erasmus+ Förderung für eine einwöchige Gastdozentur an der Universität La Sapienza in Rom, Italien (Mai 2023)
Initialförderung der Philosophischen Fakultät der Universität zu Köln zur Ausarbeitung eines DFG-Antrags: Finanzierung einer Lehrvertretung sowie einer SHK-Stelle (2022)
Dissertationspreis 2022 der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Lateinamerikaforschung (2. Platz)
Honourable Mention der Dissertationsschrift durch den Deutschen Lusitanistenverband im Rahmen des 14. Deutschen Lusitanistentages an der Universität Leipzig (September 2021)
Nachwuchsförderung der RWTH Aachen University zu einer Tagungsteilnahme im Rahmen des Promotionsprojekts (SoSe 2019)
Förderung im Rahmen des Kongressreisenprogramms des DAAD zur Teilnahme am Seventh International Symposium on Brazil an der Hebrew University of Jerusalem (Dezember 2018)
Förderung der Philosophischen Fakultät der RWTH Aachen University für innovative Lehre (WiSe 14/15)
DAAD-Förderung im Rahmen einer Sprachassistenz an der UFC Fortaleza, Aug. 2012 – Juli 2013
DAAD-Kurzstipendium für ein Praktikum am Goethe-Institut Palermo, Sep./Okt. 2010
Erasmus-Förderung für ein Studium an der L'Orientale Neapel, Aug. 2008 – Juli 2009
Deutscher Lusitanistenverband
Deutscher Hispanistikverband
Gesellschaft für Comicforschung
Arbeitsgemeinschaft Deutsche Lateinamerikaforschung (ADLAF)
Deutsche Gesellschaft für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft (DGAVL)
Fachgesellschaft für rassismuskritische, postkoloniale und dekoloniale Theorie und Praxis (FG DeKolonial e.V.)